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Biomechanik im Golf

 

 

Prof. Dr. Christian Haid ist seit über 20 Jahren ständiger Berater der Jody Morris Golfakademie

Wenn wir unseren Körper mit all seinen Muskelverspannungen besser kennen, funktioniert auch der Golfschwung besser.

Wir möchten unseren Golfschwung verbessern. Dazu müssen wir wissen, wie wir uns derzeit bewegen und welche Veränderungen notwendig sind. Bewegungen abzuändern ist leichter möglich, wenn wir unseren Körper mit all seinen Muskelspannungen wahrnehmen.

Als Vorbereitung zum eigentlichen Golftraining gehört daher, die Bewegungswahrnehmung zu schulen. Das Schöne daran ist, dass dies fast überall und jederzeit möglich ist. Wir optimieren dadurch die Voraussetzungen, schneller einen guten Golfschwung zu erlernen.

Schöne Schläge verbessern die Stimmung. Golf kann Freude am Spiel mit Gesundheit und Erholung vereinen. Daher ist die Verbesserung der Voraussetzungen schon ein großer Schritt in die richtige Richtung. Die Machbarkeit des Trainings hängt oft mit zeitlichem Aufwand zusammen.

Die meisten von uns leiden unter Zeitnot oder unter zu großen örtlichen Abständen. Daher müssen wir jede Gelegenheit nutzen, Golftraining im Alltagsleben einzubauen.

Beobachtung. Eine Grundvoraussetzung zur Nutzung unserer Muskelkraft im Golfschwung ist es, die Körperbewegung derart zu gestalten, dass die Arme der Rumpfbewegung gewissermaßen „nachfolgen“. Diese Tatsache spiegelt sich in Ausdrucksweisen wie „der Körper bewegt die Arme“. Häufig wird auch der sogenannte „X-Faktor“ ins Spiel gebracht.

Beobachten wir uns, wenn wir etwas Schweres anheben: Wir machen das unter dem Aspekt der Bewegungswahrnehmung. Daher versuchen wir Einzelheiten möglichst gut zu spüren. Wir bücken uns zu dem Gegenstand und spannen die Rumpfmuskulatur schon vor dem Hebevorgang an. In der Hebebewegung wird im ersten Ansatz dann die bereits angespannte Muskulatur gedehnt. Da sie darauf vorbereitet ist, reagiert sie richtig und wird in der Folge mehr Kraft entwickeln.

Bemühen wir uns diesen Vorgang zu verinnerlichen: Das Vorspannen der Muskulatur, dann die zusätzliche Belastung durch die Streckbewegung der Beine während des Anhebens. Ein analoges, spürbares Bewegungsverhalten entsteht bei Drehbewegungen, wie beim Golfschwung. Wir drehen uns im Rückschwung vom Ziel weg. Das entspricht der Bewegung des Bückens, um einen Gegenstand anzuheben.

Wir bremsen die Rückdrehbewegung ab und spannen die Rumpfmuskulatur an, um uns beschleunigt Richtung Ziel zu drehen. Diese beschleunigte Bewegung entspricht dem Bewegen einer Last. Die bereits vorgespannte Muskulatur kann auf diese Belastung richtig reagieren und entwickelt mehr Kraft. Die Drehbewegung erfolgt aus den Beinen, das entspricht der Streckbewegung beim Heben, und somit ist eine gute Drehbewegung möglich.

Es gelingt uns auf diese Weise, die Drehbewegung mit den Beinen einzuleiten. Das Becken beginnt sich Richtung Ziel zu drehen, die vorgespannte Rumpfmuskulatur „zieht“ den Schultergürtel in die Drehbewegung mit. So stimmt die Bewegungsabfolge, die auch „kinematische Kette“ genannt wird. Setzen wir unsere Muskeln derart ein, dann entwickeln wir unser Kraft-Maximum.

Lehrreich. Es mag übertrieben kompliziert erscheinen, Bewegungen derart zu zerpflücken. Wir lernen jedoch dabei, unseren Körper wahrzunehmen. Wir müssen auch nicht immer so ins Detail gehen, aber Bewegungen einige Male durchzuführen und die Muskelspannungen zu spüren, ist sehr lehrreich.

Der Aufbau der Muskelspannung am Ende des Rückschwungs ist die Voraussetzung für einen guten Beginn des Durchschwungs. Beherrscht man den Spannungsaufbau, dann entsteht im Golfschwung der perfekte Rhythmus. Einzelbewegungen, bei denen man einfach nur versucht, den Körper zu spüren, lassen sich sehr gut üben.

Wir benötigen dazu keinen Golfplatz, das gelingt an jedem noch so engen Ort. Es müssen auch nicht immer golfspezifische Bewegungen sein. Wir nehmen unseren Körper deutlich wahr und wir werden dadurch Verbesserungen an unserem Golfschwung schneller durchführen können.

Dr. Christain Haid ist Biomechaniker an der Universitätsklinik Innsbruck, ch(at)golftime.de.

Auszug aus:
© GOLF TIME Verlag GmbH